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Kerstin Hill
Beiträge: 2
12. Mär 2003, 23:27
Beitrag #1 von 4
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Anfängerfrage: Farbmanagement ja/nein und empfehlenswerter Ablauf


Hallo,

ich komme eigentlich eher aus dem Bereich 'elektronische Medien' und kenne mich mit Druckvorstufe leider nicht so gut aus. Ich habe mir jetzt aber einen entsprechenden Auftrag für die Anfertigung eines hochwertigen CD-Booklets geangelt, und da muß ich sehen, daß ich alles tiptop hinbekomme. Naja... :o)

Bzgl. Farbmanagement habe ich da eine Frage.

Ich habe die zu verwendenden Fotos professionell gescannt geliefert bekommen. Sie wurden auf einem kalibrierten System erstellt. Die Dateien liegen im RGB-Modus vor, allerdings ohne ein eingebettetes Farbprofil.

Es geht jetzt darum, die Fotos in CMYK umzuwandeln, diese in InDesign zu platzieren und von dort aus entsprechende eps-Dateien für die Druckerei zu generieren.

Die Umwandlung nehme ich ja zunächst mal auf der Grundlage der entsprechenden Farbeinstellungen in Photoshop vor ('Adobe RGB (1998)' bzw. 'Euroscale Coated v2'). Ich denke mal, das ist soweit korrekt. Beim Speichern der CMYK-Datei habe ich ja nun die Wahl, 'Euroscale' als ICC-Profil zu implementieren. Ist das empfehlenswert? Und wie würde bzgl. des Farbmanagements der weitere Arbeitsablauf in InDesign aussehen?
Oder wäre es am Sichersten, komplett ohne Farbprofile zu arbeiten und in InDesign das Farbmanagement abzuschalten?

Ich bedanke mich im vorhinein recht herzlich für jegliche Hilfestellung!
Kerstin Top
 
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Michel Mayerle
Beiträge: 1047
13. Mär 2003, 22:41
Beitrag #2 von 4
Beitrag ID: #28057
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Anfängerfrage: Farbmanagement ja/nein und empfehlenswerter Ablauf


Hallo Kerstin

Ein wichtiger Bestandteil innerhalb des ColorManagements ist das durchgängige Einbetten bzw. Taggen eines Bildes mit einem entsprechend korrekten ICC-Profil. Prinzipiell ist es von Ihrerm Bilderlieferanten druchaus intelligent, dass medienneutrale RGB-Daten geliefert werden, andererseits ist es leider absolut kontraproduktiv, dass die gelieferten RGB-Bilder leider nicht über ein eingebettetes ICC-Profil verfügen. Beim ColorManagement ist es wichtig, dass jede Farbraumtransformation aufgrund von klar festgelegten Quell- und Zielfarbräumen erfolgen kann. Das ICC-Profil ist einfach übersetzt nichts anderes, als eine Identitätskarte eines jeden Bildes mit einem bestimmten Farbraum! Wenn Sie jetzt von RGB nach CMYK konvertieren wollen, und dabei als Zielfarbraum das Euroscale CMYK-Profil verwenden möchten, dann benötigen Sie für eine korrekte Transformation im gleichen Atemzug ein ICC-Quellprofil, welches kennzeichnet, von welchem Quellfarbraum denn eigentlich transformiert werden muss. Ein Quellprofil muss nicht immer ein Adobe RGB usw. sein, dass kann auch ein bestimmtes Scannerprofil sein. Woher wollen Sie jetzt also wissen, woher dieses Bild stammt? Sie haben leider schlichtweg keine Referenz. Sie können jetzt lediglich probieren, wie sich das Bild verhält, wenn Sie verschiedene RGB-Quellprofile in den Farbeinstellungen verwenden. Unter Umständen erzielen Sie mit einem Adobe-RGB als Quellfarbraum gute Ergebnisse, vielleicht kommen Sie mit einem anderen Profil auf bessere Resultate. In diesem Fall kann ich nur testen empfehlen. Vielleicht kann Ihnen Ihr Datenlieferant noch sagen, in welchem Arbeitsfarbraum das Bild aufbereitet wurde.

Ich kann Ihnen (oder vielmehr Ihrem Datenlieferanten) daher nur ans Herz legen, in Zukunft beim Speichern aus Photoshop jedem Bild ein entsprechendes ICC-Profil mitzugeben, welches den momentanen Arbeitsfarbraum beschreibt. In Ihrem Falle haben Sie zwei Möglichkeiten:

Sie arbeiten Geräteabhängig;
In diesem Falle bearbeiten Sie Ihr Bild im RGB-Modus mit einer entsprechenden CMYK-Vorschau (Softproof) Als Simulationsprofil wird das entsprechende ICC-Profil des Auflagendruckes verwendet. Bearbeiten Sie Ihr Bild im RGB-Modus, weil die Farbkorrekturen im RGB-Modus wesentlich besser greifen. Sie haben auch weitere Vorteile. Wenn im CMYK-Modus korrigiert wird, kann es sehr schnell passieren, dass der Gesamtfarbauftrag, der ja mit Hilfe des verwendeten ICC-Profiles bei der Transformation festgelegt wurde, wieder überschritten wird! Das ist gefährlich und so gut wie nicht verlustfrei korrigierbar! Ausserdem kann es sein, dass Sie im CMYK-Mosus Farbkorrekturen vornehmen, die ein Verschieben einer Farbe ausserhalb des reproduzierbaren Farbumfanges im Druck (Gamut) bewirken. Das wäre FATAL!

Wenn im RGB-Modus korrigiert wird, dann wird der Gesamtfarbruftrag erst bei der finalen Farbraumtransformation von RGB nach CMYK gemäss dem entsprechenden ICC-Profil angepasst! Dank des Softproofs können Sie jederzeit visuell prüfen, wie das Resultat aussehen wird. Wenn Sie mit den Korrekturen zufrieden sind, konvertieren Sie das Bild in den CMYK-Farbraum. Somit bringen Sie Ihr Bild in eine medienabhängige Form, Sie arbeiten also verfahrensabhängig. Das hat Vor- und Nachteile. Der Vorteil besteht hier, dass Sie das Farbmanagement von dem Zeitpunkt quasi vergessen können, indem Sie das Bild als TIFF u.ä. aus Photoshop speichern. Die Farbkorrekturen und die Farbraumtransformation wurden im Photoshop gemacht. Das Bild muss also weder vom Layoutprogramm noch von RIP transformiert werden. Das bedeutet, dass Sie das Farbmanagement im Druckdialog vom Layoutprogramm deaktivieren können! Das Farbmanagement dürfen Sie aber zur Kontrolle in Form eines Softproofs jederzeit im Layoutprogramm aktivieren. Vor dem Drucken muss es in diesem Fall aber wieder deaktiviert werden.

Die andere Möglichkeit wäre die, dass Sie immer RGB-Bilddaten erzeugen, die Sie dann auch so im Layoutprogramm platzieren. Hierbei wäre entweder Ihr Layoutprogramm (BITTE NUR IN DESIGN UND NICHT QUARKXPRESS) oder aber das RIP für die entsprechende Farbraumtransformation verantwortlich. Ich möchte Ihnen nahe legen, auf eine InRIP-Farbraumtransformation zu verzichten. Das dafür erforderliche Wissen ist enorm, das Verfahren komplex. Eine weitere Beschreibung dieses Verfahrens werde ich hier nicht erklären, sonst sind Sie an Weihnachten mit Lesen noch nicht fertig J Es bleibt also, dass wir InDesign dazu veranlassen, bei der Ausgabe die Farben vom Quell- in den Zielfarbraum zu transformieren. Das erreichen wir dadurch, dass in den Farbeinstellungen und im Druckdialog von InDesign ein entsprechender Quell- und Zielfarbraum deklariert wird. Sobald der Zielfarbraum nicht mehr dem Quellfarbraum entspricht, wird InDesign bei der Ausgabe eine Farbraumtransformation durchführen. Im Druckdialog funktioniert das jedoch nur bei InDesign-eigenen Objekten. EPS- und PDF-Daten werden ignoriert, weil InDesign hierzu die Datei interpretieren müsste, was bei der normalen Ausgabe nicht der Fall ist. Nur mit einem PDF-Direktexport aus InDesign werden alle Elemente interpretiert und farbraumtransformiert, sofern erforderlich.

Wie Sie sehen, ist die Thematik so komplex, dass ich ein ganzes Buch füllen könnte. Ich würde vorschlagen, dass Sie Ihre Farbkorrekturen im Photoshop machen, und das CMS im weiteren Workflow deaktivieren. Dadurch wird die Arbeit transparenter und übersichtlicher. Betten Sie aber bitte in jedem Bild das Profil des Arbeitsfarbraumes ein. Das ist enorm wichtig. Ein Bild ohne Profil ist quasi wie ein Kind ohne Eltern.

Für weitere Tipps und Beratungen stehen wir Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung.



Mit freundlichen Grüssen
Michel Mayerle
ulrich-media
InDesign- und PDF-Integration
als Antwort auf: [#27887] Top
 
Kerstin Hill
Beiträge: 2
14. Mär 2003, 10:06
Beitrag #3 von 4
Beitrag ID: #28090
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Anfängerfrage: Farbmanagement ja/nein und empfehlenswerter Ablauf


Hallo Michel,

zunächst einmal vielen Dank für Ihre ausführliche Darlegung! Das ist mir eine große Hilfe und gibt mir auch ein bißchen Sicherheit im Umgang mit dieser Thematik. So nach und nach bekommt man ein grundlegendes Verständnis für diese ganze Geschichte.

Ich werde meinen Bildlieferanten also noch einmal nach dem verwendeten ICC-Profil fragen, vor allem deswegen, weil er mir gegenüber erwähnte, mit einem 'erweiterten' Farbraum zu arbeiten (ich glaube 'DEFG' oder so ähnlich).

Dazu noch mal eine Praxis-Frage: Photoshop nimmt eine Farbseparation ja auf der Basis der Farbeinstellungen vor. Wenn ein Bild kein Profil aufweist, wird diesem also quasi 'zwangsweise' das RGB-Profil zugewiesen, welches in den Farbeinstellungen unter RGB ausgewählt ist. Wenn ein Bild aber nun ein Profil aufweist, wird dann bei einer Separation die RGB-Einstellung in den Farbeinstellungen ignoriert, oder muß diese immer explizit dem jeweiligen Bild-Profil entsprechen?

> Sie arbeiten Geräteabhängig;
> In diesem Falle bearbeiten Sie Ihr Bild im RGB-Modus mit einer
> entsprechenden CMYK-Vorschau (Softproof) Als Simulationsprofil
> wird das entsprechende ICC-Profil des Auflagendruckes verwendet.

Zum korrekten Verständnis: meine Druckerei gibt vor, für CMYK die Einstellung 'Euroscale coated' zu verwenden. Dies ist also nicht einfach nur eine druckspezifische Angabe (z.B. bzgl. des Tonwertzuwachses etc.), sondern eben das "ICC-Profil des Auflagendruckes", mit dem der Farbraum des Druckes definiert wird?

Ich hätte auch noch eine weitere Frage, die sich nunmehr auf die korrekte Farbwiedergabe bezieht. Für meinen Monitor stellt der Hersteller (iiyama) eine icm-Datei zur Verfügung. Ich habe mal mit dieser Datei meinen Monitor in den Anzeigeeinstellungen von Windows 2000 definiert und zusätzlich in den Farbeinstellungen von Photoshop den entsprechenden Eintrag unter RGB ausgewählt. Mir scheint, daß ich damit eine 'korrektere' Farbwiedergabe erziele. Habe ich das so richtig gemacht und inwieweit ist dies empfehlenswert?

> Wie Sie sehen, ist die Thematik so komplex,
> dass ich ein ganzes Buch füllen könnte.

Wenn Sie mal eins schreiben, sagen Sie mir Bescheid. Ich kaufe ein Exemplar ;-)

Freundliche Grüße und nochmals vielen Dank für Ihre Mühen
Kerstin
als Antwort auf: [#27887]
(Dieser Beitrag wurde von Kerstin Hill am 14. Mär 2003, 10:07 geändert)
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Michel Mayerle
Beiträge: 1047
14. Mär 2003, 13:14
Beitrag #4 von 4
Beitrag ID: #28125
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Anfängerfrage: Farbmanagement ja/nein und empfehlenswerter Ablauf


Liebe Kerstin

Wenn dein Datenlieferant sagt, er arbeite mit einem erweiterten CIE-Based DEFG-Farbraum, dann kommt mir das ehrlich gesagt etwas komisch vor. Ich will den Sachverhalt kurz erklären:

Wenn ein ICC-Profil im RIP interpretiert werden muss, dann muss dieses in eine für das RIP verständliche Form gebracht werden. In PostScript können nämlich keine ICC-Profile beschrieben werden. Aus diesem Grunde wird jedes Quellprofil mit Hilfe des sogenannten PostScript-Farbmanagements in einen sogeannten CSA (Color Space Array) umgewandelt. Diese im PostScript-Modell beschreibbaren Befehle entsprechen in etwa einem ICC-Quellprofil. Ein RIP wertet diese CSAs aus und transformeirt diese in einen Geräteabhängigen Farbraum, der kurz PCS (Profile Connection Space) genannt wird. Wenn die Farbraumtransformation nicht im RIP gemacht wird, entspricht der PCS in der Regel einem LAB-Farbraum. Im PostScript Farbmanagement sind die Geräteunabhängigen Farbräume zum Beispiel ein ABC oder DEF-Farbraum für dreikanälige Bilder wie RGB, oder ein DEFG-Farbraum für 4 kanalige Bilder wie CMYK. Cie Based DEFG-Farbräume sind erst ab PostScript Level 3 möglich. Von diesem PCS werden die Farben anschliessend in den Zielfarbraum konvertiert, der auf PostScript-Ebene einem Color rendering Dictionary entspricht (CRD).

All meine Erklärungen wollen sagen, dass Ihr Datenlieferant mit PostScript-Farbmanagement arbeitet, was in Ihrem Fall sicherlich nicht das Richtige ist! Das PostScript-Farbmanagement kommt ausserdem erst bei der Ausgabe zum Tragen, daher sind diese Angaben für Sie nicht relevant. Sagen Sie Ihrem Datenlieferanten, er solle Ihnen einfach eine TIFF-Datei im RGB-Farbmodus mit einem eingebetteten RGB-ICC-Profil schicken. EPS-Daten sind wenn möglich zu vermeiden, besonders EPS-Daten, die ein verstecktes PostScript-Farbmanagement beinhalten!

Ihre Aussage ist korrekt. Ein ICC-Profil wie ein Euroscale Coated beschreibt einen standardmässigen Druck auf gestrichenem Papier nach europäischer Norm. In einem ICC-Profil sind jede Menge Parameter festgelegt: Gesamtfarbauftrag, Bunt- oder Unbuntaufbau, Tonwertzunahme, Stärke des Schwarz usw.

In Photoshops Farbeinstellungenmacht es keinen Sinn, ein Monitorprofil als Arbeitsfarbraum zu bestimmen! Das kann sogar fatale Folgen haben. Als Arbeitsfarbraum könnte zum Beispiel ein Adobe RGB oder ein ECI-RGB dienen. Ein Monitorprofil dient lediglich dazu, um an einem Monitor möglichst "Farbecht" arbeiten zu können. Ein Monitorprofil beschreibt also die Differenz des Monitor vom Soll-Zustand und hilft diesem, die Differenz auszugleichen. Photoshop holt sich die benötigten Farbinformationen direkt aus dem Monitorprofil.

Mit freundlichen Grüssen
Michel Mayerle
ulrich-media
InDesign- und PDF-Integration
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