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Montierer
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24. Aug 2002, 08:38
Beitrag #1 von 8
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Type und Level


Hilfe,

wer kann mir den Unterschied zwischen Type 1, 2 und 3 erklären?
Und in welcher Beziehung steht das zu Postscript-Level 1, 2 oder 3?
Was bedeuten diese Zahlen eigentlich?

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Robert Zacherl p
Beiträge: 4153
24. Aug 2002, 12:22
Beitrag #2 von 8
Beitrag ID: #9916
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Type und Level


Hallo Montierer,

PostScript Level und PostScript Font Type haben eigentlich gar nichts miteinander zu tun. Ersterer spiegelt die Weiterentwicklung des PostScript Standards durch Adobe wider. PostScript Level 1 kam 1985, Level 2 1990 und PostScript 3 1997. Dazwischen gibt es immer Sublevels. Der aktuellste ist z.B. momentan 3015.102.

Der Type Level bei PostScript-Schriften spiegelt deren internen Aufbau wider. Die geläufigsten Typen sind Type 1, das sind die "normalen" PostScript Fonts und Type 3, welche als auch als "Stroked" oder "Bitmap" Fonts bezeichnet werden. Ein Type 1 Font besteht aus einem verschlüsseleten Fontprogramm, dessen Aufbau auch lange Zeit nicht offengelegt, sondern nur Adobe und einigen Lizenzgebühren zahlenden Schriftanbietern bekannt war. Inzwischen ist die verwendete "eexec"-Verschlüsselung allerdings längst öffentlich zugänglich. Type 1 Fonts sind sog. 1-Byte Fonts das heißt es können maximal 256 verschiedene Glyphen adressiert werden.
Type 3 Fonts sind gemalte oder Bitmap-Fonts. Die bestehen aus ganz normalem, nicht verschlüsseltem PostScript-Code, der die Glyphen entweder aus Linien und Kurven zusammensetzt oder die Glyphen in Form von Bildern wiedergibt. Type 3 Schriften werden häufig für Symbolzeichensätze verwendet, weil hier die Optimierungsfunktionen von Type 1 nicht greifen. Ein häufiger Grund für Bitmap-basierende Type 3 Fonts sind falsche Druckertreibereinstellungen unter Windows, wenn mit TrueType-Fonts gearbeitet wird und diese durch eine unglückliche Konfiguration in Bitmap Type 3 konvertiert werden. Auch Type 3 kann maximal 256 Zeichen adressieren.

Type 2 Fonts auch CFF- (Compact Font Format) Fonts genannt kommen eigentlich nur im Zusammenhang mit manchen OpenType-Fonts vor. Dieses Formatformat erlaubt eine sehr kompakte und effiziente Beschreibung von Glyphen und reduziert somit das Datenvolumen bei komplexen 2-Byte Fonts. Basis für Type 2 Fonts sind ein oder mehrere Type 1 Fonts der/die zu einem sog. FontSet zusamengeschlossen werden. CFF-Fonts stellen ein PosTScript 3 Feature dar.

Ohne Sie jetzt noch weiter verwirren zu wollen, möchte ich Sie darauf hinweise, dass dies noch längst nicht alle PostScript-Fontformate sind. Ein sehr wichtiges, nämlich Type 42 haben wir noch überhaupt nicht angesprochen.

Type 42 Fonts sind TrueType-Fonts in einem PosTScript-Wrapper. Dies erlaubt die Einbettung von TrueType-Fonts in eine PostScript-Datei ohne diese Konvertieren zu müssen. Type 42 wurde mit PostScript Level 2 eingeführt und wird ab Interpreter-Version 2017 und neuer unterstützt.

Dann gibt es noch Type 14 (Chammeleon Fonts) und Type 0 oder CID-kodierte Fonts. Die Chameleon Fonts überspringe ich einfach, da sie in der Praxis keine Rolle spielen. Die Type 0 oder CID-kodierten Fonts sind aber spätestens seit Adobe InDesign und dessen PDF-Export relevant geworden. Sie stellen ein PostScript 3 Fontformat dar, welches aber auch durch Laden entsprechender Bibliotheks-Funktionen mit früheren PostScript Leveln verarbeitbar ist. Leider gibt es nur relativ wenige PostScript 3 RIPs, die fehlerfrei mit CID-Fonts die in PDF-Dateien enthalten sind, umgehen können. Adobe-RIPs sollten einen 3011.106 Interpreter aufweisen.

Ich hoffe ich konnte ein wenig Licht in die Geschichte bringen.



_________________
Mit freundlichen Grüßen

Robert Zacherl

[ Diese Nachricht wurde geändert von: Robert Zacherl am 2002-08-24 12:24 ]
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Montierer
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24. Aug 2002, 13:35
Beitrag #3 von 8
Beitrag ID: #9925
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Type und Level


Hallo Herr Zacherl,

vielen Dank für ihre ausührliche Antwort. War sehr interessant, obwohl ich einiges nicht verstanden habe. Eine Antwort habe ich aber vermißt, und zwar der Zusammenhang zwischen Type und Level.
Konkret: Im KIM erstellter PDF-Bogen wird mit Acrobat als PS zum RIP geschickt. Je nach Acrobat-Einstellung (Level 2 oder 3) erscheinen/verschwinden Rasterflächen und PS-Schriften werden mal korrekt und mal ineinanderbelichtet (in Einzelfällen).
Ein Preflight im Original-PDF ergab Type 1, 2 und 3 Schriften, die nicht eingebunden waren. Nachträgliches Einbinden war nicht möglich, daher die PS-Belichtung.
Die betreffenden Rasterflächen konnten mit PitStop nicht analysiert werden, sie wurden nur angezeigt mit blauem Rand und durchgestrichen.
Können Sie mir diesen Level 2/3-Effekt erklären?

als Antwort auf: [#9915] Top
 
Robert Zacherl p
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24. Aug 2002, 15:13
Beitrag #4 von 8
Beitrag ID: #9929
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Type und Level


Hallo Montierer,

was hat das mit Font Types zu tun?
Was erwarten Sie, wenn Sie PDF-Dateien in denen Schriften fehlen verarbeiten (egal welcher Art also als PostScript oder PDF nativ)? Wie soll dann ein vorhersagbar perfektes Belichtungs-Ergebnis dabei herauskommen? Zum Zeitpunkt der Interpretation werden die fehlenden Schriften spätestens benötigt. Entweder holt sich die druckende Applikation die fehlenden Fonts von der Festplatte (hängt stark von der Applkation und/oder der Druckertreiberkonfiguartion ab) oder der RIP holt sie sich von seiner Festplatte. Beides ist schlecht und Probleme und Fehlbelichtungen sind vorprogrammiert, weil die Tatsache, dass zwei Fonts gleich benannt sind noch keine Identität garantiert.

Man erstellt auch keine Montagen von fehlerhaften und unvollständigen PDF-Dateien und kontrolliert dann im nachhinein, ob die montierte PDF-Datei brauchbar ist. Das ist das Pferd von hinten aufzäumen. Korrekt ist es die Ausgangsdateien zu prüfen. Denn wenn sich bei diesem allerersten Arbeitsschritt schon herausstellt, dass die Daten unbrauchbar sind, sind investiere ich gar nicht erst unnötig Zeit und Geld in diesen Datenbestand denn ich werde nicht voraussagen können was hinten dabei heraus kommt.

Mit KIM PDF montierte Dateien sind mit dem PitStop Inspektor und dem Auswahlwerkzeug nicht analysierbar, da Sie es dann mit "Form XObjects" in der montierten PDF-Datei zu tun haben. Diese sind nur mit PitStop 5.02 oder PitStop Server 2.02 zu preflighten und per Aktionslisten zu modifizieren aber nicht manuell beeinflußbar.

Ansonsten wenn Sie tatsächlich denken, KIM PDF hätte ein technisches Problem, dann würde ich Ihnen empfehlen sich mit Ihrem Händler der Ihnen die Software verkauft hat in Verbindung setzen. Da Sie sich nicht zu erkennen geben, kann ich leider nicht beurteilen, ob Sie unser Kunde sind.
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Montierer
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24. Aug 2002, 18:19
Beitrag #5 von 8
Beitrag ID: #9932
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Type und Level


Hallo Herr Zacherl,


tut mir leid, dass wir uns so missverstanden haben.

Mein Name ist Andreas Pielhau, ich arbeite in Berlin bei der Westkreuz-Druckerei, sie selbst haben uns in KIM und PitStop eingewiesen. Wir sind Kunden bei Impressed und ich glaube nicht, dass Kim PDF ein technisches Problem hat.

Ein technisches Problem hat aber offensichtlich unser FUJI-Workflow und zwar bei der Belichtung von Type-3-Fonts in PDF-Dokumenten. Das ist uns aber bekannt, wir haben nur noch keine Lösung dafür gefunden. Deshalb müssen wir in entsprechenden Fällen auf Postscript ausweichen.

Noch einmal zu meinem Problem: Selbstverständlich haben wir das Original-PDF vom Kunden geprüft. Ein neues PDF zu bekommen war zu diesem Zeitpunkt nicht möglich. Deshalb blieb uns nur die Not-Reparatur. Nicht eingebettete Schriften wurden nachträglich eingebettet. Zuletzt blieb aber immer noch die Preflight-Warnung wegen Type-3-Fonts.

Deshalb unser Arbeitsablauf: In KIM einen PDF-Bogen erstellen, im Acrobat anzeigen und dann als PS-File zum RIP schicken. Die Ansicht im Acrobat war zu diesem Zeitpunkt noch in Ordnung.

Beim ausbelichteten Film waren dann aber Fehler in Form von ineinanderlaufenden Buchstaben, wenn das Postscript auf Level 3 erzeugt wurde. Ein auf Level 2 erstelltes Postscript war in Ordnung.

Bei der verschwundenen Rasterfläche war es genau anders herum. Bei Level 2 verschwunden, bei Level 3 vorhanden. Diese Rasterfläche lässt sich im Original-PDF vom Kunden mit PitStop nicht analysieren. Statt Farbwerten und anderen Eigenschaften wird die Fläche nur mit einem dünnen blauen Rand und durchgekreuzt angezeigt.

Der entsprechende Auftrag ist bereits erledigt, die Fehler sind leider erst jetzt aufgefallen, deshalb nun Schadensfeststellung und Analyse. Mich interessieren die oben beschriebenen Effekte, da man für die Zukunft daraus lernen sollte. Ich hoffe, dass Sie mir dabei helfen können.

Vielen Dank für Ihre Mühe.

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Robert Zacherl p
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24. Aug 2002, 19:43
Beitrag #6 von 8
Beitrag ID: #9934
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Type und Level


Hallo Herr Pielhau,

ich hatte schon vermutet, dass Sie es sind .
Ich finde es immer sehr viel angenehmer, wenn man weiss, wer am anderen Ende sitzt.

Ich würde mir diese montierte PDF-Datei sehr gerne mal persönlich ansehen. Sehen Sie ein Chance, mir diese per Email-Attachment oder ISDN zukommen zu lassen? Am besten wäre es natürlich, wenn Sie die original PDF-Datei (also die unmontierte) auch mitschicken könnten.
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Montierer
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24. Aug 2002, 21:05
Beitrag #7 von 8
Beitrag ID: #9935
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Type und Level


Hallo Herr Zacherl,

*lach* Ich liebe diese Anonymität.
Aber Spaß beiseite, ich werde ihnen die Daten an Ihre E-Mail-Adresse schicken. Allerdings erst am Montag.
Bis dahin wünsche ich Ihnen ein schönes Wochenende.
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Robert Zacherl p
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26. Aug 2002, 11:45
Beitrag #8 von 8
Beitrag ID: #9985
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Type und Level


Herr Pielhau,

ich habe mir inzwischen Ihre Dateien angeschaut und habe folgendes herausgefunden:

Schriftenproblem:
Die Problematik wird dadurch ausgelöst, dass Sie innerhalb Ihrer Montagen PDF-Seiten verarbeiten, die teilweise die Schriften beinhalten, teilweise jedoch auch nicht und andere wiederum ein und dieselben Schriftschnitt im PostScript Type 1 Format und einmal im Type 3 Format beinhalten. Was bedeutet dies für die Ausgabe? Nun, genau das was ich bereits gesagt habe. Es wird, je nach Ausgabemethode, willkürlich auf lokale Schriftschnitte oder auf Fonts des Ausgabegerätes zurückgegriffen. Da aber z.B. die Times-Bold des RIPs sicherlich eine andere Laufweite aufweist als die die in einem Teil der PDF-Seiten eingebettet ist, kommt es zu einem Zusammenlaufen der Texte oder zu Lücken innerhalb dieser.

Dieser Effekt läßt sich sogar nachvollziehen, wenn ich aus Ihrem Bogen eine PostScript-Datei schreibe und erneut mit dem Acrobat Distiller in eine PDF-Datei wandle. Die generierte PDF-Datei zeigt auch das von Ihnen reportete Ergebnis. Allerdings vollkommen unabhängig vom PostScript-Level. Dieser hat meiner Meinung nach auch überhaupt nichts damit zu tun. Ich denke eher, dass Sie zwei im Fontbereich verschieden konfigurierte PostScript-Treiber einsetzen. Der eine wird wohl lokale Fonts ausgeben, der andere dagegen RIP-Fonts verwenden.

Rasterflächen-Problem:
Das was Sie als Kasten mit blauer Umrandung und zwei gekreuzten Linien bezeichneten, wird im PitStop Inspektor 5 sehr schön und klar als "Smooth Shade", also als PostScript 3 Verlauf, betitelt. Da ein Smooth Shade normalerweise nicht nur eine einzige Farbe beinhaltet, sondern aus derer vieler besteht, wird im Inspektor nur der Farbraum angezeigt. In diesem Fall ein ICC-profilierter "Adobe RGB (1998)" Farbraum! Wenn Sie Farbwerte messen möchten/müssen, dann hilft in diesem Fall das PitStop Pipetten-Werkzeug weiter.
Da es sich um ein PostScript 3 Konstrukt handelt, ist jetzt auch klar, warum nur bei PostScript 3 das Ausgabeergebnis "korrekt" (siehe unten) ist.

Jetzt kann man sich natürlich fragen, wie es ein Word-Anwender geschafft hat, einen Smooth Shade in seine Daten zu zaubern. Nun, hier haben wir es mit einem kleinen, unschönen Problem in Acrobat DIstiller 4 und 5 zu tun. Denn diese beiden Applikationen erzeugen auch schon mal Smooth Shades, wo eigentlich gar keine sein sollten. Nämlich dann, wenn regelmässige Rasterflächen nahtlos aneinanderstossen und außerdem nicht mit einer Kontur versehen sind. Die Tabelle, die wohl zeilenweise abwechselnd mit zwei unterschiedlichen Tonwerten hinterlegt war, erfüllte genau diese Kriterien. Dies interpretiert Distiller dann als sehr groben Verlauf, der natürlich unbedingt geglättet werden muss. Das Ergebnis ist der Smooth Shade. In diesem Fall hätte also besser die Distiller-Option "Verläufe zu weichen Nuancen konvertieren" deaktiviert werden sollen.

Die verwendete Distiller-Konfiguration ist aber so und so absolut unbrauchbar für einen Druckvorstufeneinsatz gewesen, weil das Farbmanagement aktiviert war, sonst könnten keine ICC-profilierten Farben im PDF vorkommen. Bei solchen Zulieferern sollte man als Dienstleister das PDF-Erzeugen wohl lieber selbst in die Hand nehmen.
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