Lieber Sacha,
tja, das ist echt schwierig.
Ich habe aus diesem Grund vor zig Jahren das Angebot "Webdesign" aus meinem Portfolio geworfen. Ich hätte mich neben Printdesign zu sehr in alle möglichen Programmiersprachen einarbeiten müssen. Das war mir zuviel Aufwand und es hat mich auch nicht so interessiert bzw. keinen Spaß gemacht. Also weg damit. Kommt heute ein Kunde, sage ich, "Moment, ich habe da Kollegen, die das anbieten!".
Aus diesem Grund habe ich bei QXP nie (!) in die Webmöglichkeiten geschaut, also HTML und Flash. QXP ist für mich kein Webeditor, da gibt es bessere. Und daher blieb in meine QXP-8-Buch das Webdesign auch außen vor.
Prioritäten habe ich einfach auf Printdesign gelegt. Und dort auf Editorial Design. Weil ich es am besten kann und weil es am meisten Spaß macht. Der Spaßfaktor sollte bei einer selbständigen, eigenverantwortlichen Arbeit nicht außen vor bleiben. Will ein Kunde eine Visitenkarte, eine Broschüre oder eine Verpackung, bekommt er die natürlich auch von mir.
Wären wir bei den Zukunftsvisionen und -technologien. Aufgrund des Printdesigns komme ich um Digitale Publishing nicht herum. Das wird aber sicherlich ein längerer Lernprozess, weil ich dazu sicherlich nicht in ID einsteige. Aber Quark hat ja im August oder September mit einer XT dazu nachgezogen. Das werde ich mir anschauen, ausprobieren und testen und meinen Kunden anbieten. Dies wird also ein Thema für die Zukunft sein. Schließlich finde ich es auch interessant, wenn Printausgaben von Zeitschriften für meine Kunden plötzlich mit Videos und Audio auf einem iPad daherkommen. Ist bestimmt interessant.
Na ja, und das andere Standbein, das Schreiben und Verlegen, wird mich auch weiterhin begleiten. Ich könnte sagen: Webdesign raus – Schreiben/Verlegen rein. Da habe ich noch genügend Projekte im Kopf. Nur leider verdient man mit Büchern nicht viel. Ist nur ein kleines Zubrot. Aber auch hier gerate ich ganz schnell auf die Digitale-Publishing-Schiene: eBooks meiner Bücher. Seien es ePub (geht auch mit QXP), PDF (sowieso) oder mobipocket (da muss ein Dienstleister ran). Also trifft sich das als zukünftige Tätigkeit mit dem oben genannten bei Print.
Ich bin der Meinung, um auf Deine Ausgangsfrage zu gehen, dass Du Prioritäten wirst setzen müssen. Wie Du schreibst, kannst Du nicht alles und nichts machen. Das zahlt Dir kein Kunde, weil Du dann in allem zuwenig weißt und zu schlechte Qualität lieferst. Also, den Fokus auf etwas setzen, das, was Du am besten kannst. Andere Bereiche fliegen raus. Und wenn sich in dem Bereich, den Du am besten kannst, Neues ergibt, das sich aufgrund neuer Technologien entwickelt, das zu Deinem Spezialgebiet passt, das Dir einen Wettbewerbsvorteil gegenüber Konkurrenten verschafft und gut in Dein Portfolio passt, dann würde ich mich da "reinknien". Welche Bereiche das jedoch sind, kann ich Dir nicht beantworten, das musst Du für Dich herausfinden.
Liebe Grüße
Thobie
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