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cerberus
Beiträge: 6
26. Mär 2003, 19:15
Beitrag #1 von 4
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Wo, wann, welche Farbprofile???


Hallo zusammen,
Folgende "einfache" Aufgabe:
ein Bild wird eingescannt, im Photoshop 7 bearbeitet, ins InDesign 2
genommen, mit dem Distiller ein PDF gemacht,in PitStop in PDF/x-3 konvertiert, in SignaStation 8 ausgeschossen, und einerseits über MetaDimension 3 ein Proof auf einen HP 20 Proofdrucker ausgegeben, und andererseits auf einem Prosetter 52 belichtet.

Kann mir jemand genau sagen, wann ich wo und welche ICC Profile ein bzw. ausschalten muss, dass das Proof theoretisch genauso ausschaut wie der Andruck??

Und welche Profile nun Aktuell sind, Euro 340 und so sind ja nicht mehr aktuell wurde mir gesagt.

Gibt es da sowas wie ein generalrezept?

Viele Grüsse
Adrian Top
 
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Michel Mayerle
Beiträge: 1047
27. Mär 2003, 09:57
Beitrag #2 von 4
Beitrag ID: #29475
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Wo, wann, welche Farbprofile???


Hallo Adrian

Ein Generalrezept gibt es ncht ganz, dafür einige Regeln. Nach dem Scannen muss dem Bild immer ein Quellprofil zugewisen werden. Im Idealfall ist das natürlich das ICC-Profil des Scanners. Das Zielprofil ist dann das Auflagendruckprofil. Das kann das Euroscale Coated v2 oder die neuen Profile der ISO sein. Ich persönlich bin der Meinung, dass das Euroscale Coated v2 für gestrichene Papiere auch heute noch eine sehr gute Wahl ist, wenn man nicht weiss, auf was für ein gestrichenes papier gedruckt wird. Die ISO-Profile können unter http://www.eci.org downgeloadet werden. Die Profile müssen in Photoshops Farbeinstellungen als Quell- und Zielprofile definiert werden.

Beim Proofen ist die Sache wesentlich komplizierter! Einerseits benötigen Sie natürlich weiterhin Ihr Auflagendruckprofil. Dieses Profil stellt beim Proofen aber nicht mehr das Zielprofil. sondern Ddas Quellprofil dar. des weiteren benötigen Sie ein ICC-Profil Ihres Proofers, oder eben des Gerätes, welches die Farben simulieren soll. Das Proofprofil wäre also das Zielprofil. Das Quellprofil ist gleichzeitig auch das Simulationsprofil.

Achten Sie jetzt bitte auf folgendes Detail. Wenn das Proofgerät nicht mit dem Auflagendruckpapier ausgeben kann, dann muss als RenderingIntent der Absolut-farbmetrische RenderingIntent definiert werden. Dieser ist in der Lage, das Papierweiss des Auflagendruckes auf einem anderen Papier zu simulieren. Wenn auf das Auflagendruckpapier gedruckt werden kann, dann muss der Relativ farbmetrische RenderingIntent gewählt werden. Auf den Perzeptiven Rendering Intent muss beim Proofen unbedingt verzichtet werden, da dieser den Quellfarbraum auf den Prooffarbraum skalieren würde, was vollkommen falsch wäre.

All das könnte direkt im Druckmenü von InDesign bei aktiviertem ColorManagement eingestellt werden.

Eine weitere Möglichkeit wäre der Einsatz eines ColorServers, zum Beispiel iQueue von GretagMacbeth. iQueue klinkt sich vor dem Drucker ein und stellt eine eigene Druckwarteschlange dar. iQueue verwaltet Ihre Quell- und Zielprofile und führt die nötige Farbraumtransformation vor dem eigentlichen Druckprozess durch. Das ist insofern genial, weil jetzt praktisch aus jeder Applikation heraus farbecht geprooft werden kann, wenn die nötigen Profile zur Verfügung stehen.

Das war etwas viel Information. Ich hoffe, dass ich trotzdem ein wenig helfen konnte...

Mit freundlichen Grüssen
Michel Mayerle
ulrich-media
InDesign- und PDF-Integration
als Antwort auf: [#29436] Top
 
cerberus
Beiträge: 6
27. Mär 2003, 11:19
Beitrag #3 von 4
Beitrag ID: #29493
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Wo, wann, welche Farbprofile???


Hallo Herr Mayerle,
vielen Dank für die ausfürlichen Infos.
Jetzt habe ich noch eine kleine Zusatzfrage, ich habe mit dem MetaDimension-Server auch eine Proofsoftware, die (wahrscheinlich in etwa) wie die von Ihnen Beschriebenen funktioniert. Ist es denn so, dass die Profile die ich vorher in den anderen Tools eingestellt habe von der Proofsoftware sozusagen ausser Kraft gesetzt werden? Sonnst könnte man ja nicht aus verschiedenen Applikationen die gleichen Farbverbindlichen Proofs machen, oder binn ich da falsch?

Zudem würde mich interessieren wie die Tollerant von Proofs zum Druckergebniss bei anderen so aussieht.

Viele Grüsse
Adrian

als Antwort auf: [#29436] Top
 
Michel Mayerle
Beiträge: 1047
27. Mär 2003, 15:45
Beitrag #4 von 4
Beitrag ID: #29530
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Wo, wann, welche Farbprofile???


Hallo Adrian

Machen wir doch per DU :-) Ich denke nicht, dass die Software die bestehenden Profile ausser Kraft setzt, das wäre sogar gefährlich. Vielleicht schickt man mit Absicht Bilder mit anderen Quellprofilen an das Ausgabegerät. Dann wäre es natürlich ungünstig, wenn alle anderen Profile überschrieben würden.

Für dich wäre es sicher wichtig zu wissen, mit welchen ICC-Profilen denn der ColorServer arbeitet. Das Problem ist folgendes: Egal ob mit einem Color Server, im RIP mit PostScript-Farbmanagement oder mit einer OnHost-Farbraumtransformation mit InDesign gearbeitet wird, das Prinzip ist immer gleich. Wenn Quell- und Zielprofil identisch sind, findet keine erneute Farbraumtransformation mehr statt. Wenn also ein Euroscale Coated v2 an einen ColorServer geht, dessen Zielprofil das Gleiche ist, dann lässt das ColorServer diese Farben unangetastet. Sobald aber Quell- und Zielprofil different sind, findet eine Farbraumtransformation in den schlussendlichen Zielfarbraum statt. Das kann, sofern ungewollt, zu unschönen Ergebnissen führen.

Was die Verbindlichkeit der Proofs angeht, so kann man keine universelle Behauptung aufstellen. Es kommt hierbei auf sehr viele Details an: Wie gut bzw. wie genau sind die verwendeten ICC-Profile, wie oft werden die Profile erneuert?, ist das Proofgerät optimal gewartet und regelmässig kalibriert/profiliert?, was verwendet das Proof für Druckfarben?, was für Papier kann mit dem Proofer bedruckt werden (am besten Auflagenpapier, was jedoch sehr selten ist), ist das Proof thermischen Schwankungen ausgesetzt? was besitzt das Proof für einen Gamut (Farbumfang) und schlussendlich um was für eine Technologie handelt es sich: Tintenstrahler, Laser, Thermotransfer, Thermosublimation usw.

All diese Faktoren addiert ergeben eine ungefähre Aussage darüber, wie gut und verbindlich ein Proof sein kann.

Als Alternative muss man sagen, dass ein optimal kalibrierter und profilierter Monitor hervorragende Softproofs wiedergeben kann. Das setzt allerdings eine messtechnische Profilierung voraus.

Mit freundlichen Grüssen
Michel Mayerle
ulrich-media
InDesign- und PDF-Integration
als Antwort auf: [#29436] Top
 
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