Hallo,
ich habe mir neulich etwas hebräische Typographie angesehen, bin aber bei weitem kein Experte.
R2L wird über mehrere Attribute erreicht, die nicht alle in unserem westlichen InDesign UI angeboten werden. Das wären
- der Zeichensetzer sollte einer der globalen / "Worldready" Composer sein
- die Laufrichtung steuert man über jeweils ein Attribut für Zeichen, Absatz, Story, Seitenfolge (etwa innerhalb einer Spread) und Tabelle
- die Sprache an sich
Einfach die Reihenfolge der Zeichen im Text umzudrehen führt nur oberflächlich zum Erfolg. Zum Beispiel werden dadurch Silbentrennung und Rechtschreibprüfung lahmgelegt, das resultierende PDF kann nicht mehr vorgelesen werden und Copy-Paste erzeugt den selben Unsinn. Schlimmer noch man verliert typographische Feinheiten, entsprechend unseren Ligaturen.
Bei bestimmten Zielgruppen des Textes - etwa für Schulbücher oder klassische Texte - kann jedes Zeichen noch mit diversen "Marks" kombiniert werden, ähnlich unseren Umlaut-Punkten oder Akzenten aber als separates Zeichen. Wenn die Umlaut-Punkte auf dem Nachbar-Zeichen landen oder im freien Raum stehen, würde unser Text auch unscho¨n aussehen.
Einige Details von OpenType Schriften können auch an die Sprache gebunden werden, zum Beispiel ist mir aufgefallen, dass die Arial Hebrew für hebräischen Text anders mit Ziffern umgeht.
Ausserdem sind mir schon von der Position abhängige alternative Formen von Zeichen über den Weg gelaufen, ich müsste nachsehen, ob das am Wortende, Absatzende oder in Verbindung mit einem Satzzeichen war.
Nicht zu vergessen: Bullets gehören an das (aus unserer Sicht) Zeilenende statt an den Anfang, usw. Also alles nicht ganz trivial.
Wie kommt man zum Ziel?
Man kann in der CC die Applikations-Sprache ändern und InDesign neu installieren, das erweiterte UI bleibt angeblich sogar erhalten wenn man wieder auf Deutsch zurück wechselt. Ob das auch für Hebräisch funktioniert oder nur für japanische Zusatz-Paletten habe ich bisher noch nicht ausprobiert.
Alternativ und für Versionen vor der CC gibt es etwa die "World Publisher Suite" von http://in-tools.com . Für die CS gab es auch separate "ME" Versionen von InDesign.
Wer nur experimentieren will, kann die selben Einstellungen auch über Skripte ansprechen und/oder über Snippets und Styles aus einer funktionierenden Vorlage transportieren.
Grüße,
Dirk